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Tierschutz und Tierhaltung in Pflegeeinrichtungen
  #1 (permalink)  
Alt 10.09.2008, 22:15
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Irene
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Standard Tierschutz und Tierhaltung in Pflegeeinrichtungen

Hallo!

Ich finde, daß Tierhaltung und Tierbesuchsprojekte in Pflegeeinrichtungen eine ganz tolle Sache sind.
Ich kenne eine Altenbetreuerin, die mir erzählt hat, wie die Bewohner des Heimes, in dem sie arbeitet, die täglichen Besuche der hauseigenen Katze genießen - sie sollte ursprünglich ja von den Trägern des Heimes abgeschafft werden, aber aufgrund dessen, daß sie shcon so lange dort lebt, durfte sie bleiben. Nach ihr wird es aber vermutlich keine Katze mehr im Heim geben mit dem Argument, daß Tierhaltung im Heim unhygienisch ist und schädlich für jene, die eine Allergie haben.
Naja, das sind Argumente, die schon von gewisser Warte aus Sinn ergeben, aber gerade Katzen sind doch sehr reinliche Tiere. Größer ist wohl die Problematik mit den Allergien - im Augenblick ist das Thema im Altenheim vielleicht noch nicht so ein großes Thema zumal ja die meisten der Bewohner in ihrer Kindheit und Jugend ohnehin mit Tieren konfrontiert waren und viele der alten Menschen sogar am Bauernhof bzw. in ländlichen Regionen (die erst später verstädtert sind) aufgewachsen sind. In zukünftigen Jahrzehnten könnte das Thema Tierhaarallergien vermutlich noch stärker zunehmen und auch in Pflegeeinrichtungen ein sehr gewichtiger Grund zur Ablehnung von Tierhaltung sein.
Dabei hat der Kontakt zu Tieren für ältere Menschen und auch für andere pflegebedürftige Prsonen, z.B. Behinderte, erwiesenermaßen ja therapeutischen Nutzen. Gerade jene, die im Kontakt zu anderen Menschen oft gehemmt sind, können im Kontakt zu Tieren regelrecht aufblühen und aus sich herausgehen. Es ergeben sich auch gemeinsame Unterhaltungsthemen, wenn man über die Tiere sprechen kann. Was meint ihr dazu?

LG
Irene
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  #2 (permalink)  
Alt 11.09.2008, 11:40
burzel
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Standard Tiere in Pflegeheimen

Unsere Hunde – dies sind mittlerweile 5 an der Zahl, alle aus Tierheimen, ausgesetzt von ihren Besitzern oder gerettet von Tötungsstationen – sind oft der Schlüssel zu betagten Menschen. Sie können Türen öffnen. Wenn Menschen verstummen, in ihrer Welt versinken und kein Weg mehr zu ihnen führt, sind unsere Tiere oft der passende Schlüssel.

Lange Zeit standen hygienische Bedenken dem Zusammenleben von Mensch und Tier im Altersheimen entgegen. Die Hygiene muss natürlich stimmen. Die Tiere müssen gesund sein und die Küche ist tabu. Über die reine Sauberkeit ist auch die Fellpflege ein Thema. Je weicher und seidiger das Fell ist, desto stärker ist der positive Reiz bei Berührungen. Aber natürlich gibt es auch Bewohner, die Angst oder Ekel vor Tieren haben und dies wird anhand der Biographie erhoben. Da wird erhoben wer schon immer mit Tieren zu tun hatte, wer sie liebt und vermisst.

Ein Pflegeheim, wo die Menschlichkeit und das „Leben“ im Vordergrund steht, muss offen sein für neue Formen der Betreuung. Wir hier können den Einsatz von Tieren nur empfehlen. Es ist tatsächlich so, dass sie die herzen öffnen.
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  #3 (permalink)  
Alt 11.09.2008, 16:16
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Irene
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Standard

Hallo Burzel!

Wie ist das mit den Bewohner, die keinen Kontakt zu Tieren haben möchten? Gibt es Räume oder Situationen, wo die Tiere keinen Zutritt haben, denn ich denke, daß die Tiere sich ja in den gemeinsam genützten Räumen vermutlich auch frei bewegen. Bemerken die Tiere, wenn ein alter Mensch keinen Umgang mit ihnen haben möchte?

Sind eure Tiere speziell geschult oder einfach von selbst bereits so wesensstabil, daß sie sich so gut im Altenheim integrieren lassen?

LG
Irene
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  #4 (permalink)  
Alt 12.09.2008, 08:17
burzel
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Bei uns läuft das nicht so nach Schema "F" ab. Unsere Bewohner sind gewohnt, dass die Tiere den ganzen Tag um sie sind. Wir verhalten uns alle ganz "natürlich" nach unserem Instinkt. Leider haben das viele Menschen in der heutigen Zeit verloren. Als Kinder konnten wir unsere Tiere verstehen und wussten wie es ihnen ging und was sie sich wünschten. So verlernen wir alle mit der Zeit unsere Gabe aufeinander zu hören. In unserem Haus leben einfach "Mensch und Tier" miteinander.

Es gibt auch kein Problem mit Bewohnern, die keine Tiere mögen. Erfahrungsgemäß kommen nur solche zu uns, die einen Bezug zu Tieren haben. Und wenn wirklich mal wer dabei ist der z.B. Angst vor Hunden hat, wird er von unseren Schützlingen eines Besseren belehrt und akzeptiert sie mit der Zeit. Und wenn es wirklich mal sein sollte, dass jemand unsere Tiere ablehnt, wissen der Burzel und die Jenny das und gehen nicht in diese Zimmer. Und zu gewissen Zeiten sind sie ja eh nicht im Haus z.B. wenn es Essen gibt (da würden unsere Hunde bald platzen) und auch bei Pflegetätigkeiten.

Aber gibt es etwas schöneres, wenn sich die Katzen ihre Bezugspersonen suchen und in der Früh schon sehnsüchtig auf der Terrasse warten.

Da gibt es einen guten Spruch:

Was du nicht kennst,wirst du fürchten.
Was du fürchtest, zerstörst du.

LG Burzel
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  #5 (permalink)  
Alt 12.09.2008, 12:54
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Irene
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Hy Burzel!

Das klingt toll - daß das so gut funktioniert ... sollte eigentlich beispielgebend auch für andere Institutionen sein. Im Prinzip bräuchte man gar keine Therapie- und Besuchstiere in Altenheimen, wenn ohnehin Tiere dort auch vorhanden sind. Das hätte den Vorteil, daß es für die Tiere eine normale Situation in ihrem Lebensalltag ist, die sie selbst mitgestalten, ebenso wie die alten Menschen. Im Gegenzug dazu ist der Einsatz von Besuchstieren ja mitunter schon sehr beanspruchend für die Tiere - sie kommen ein oder zweimal pro Woche ins Heim und werden dort von Menschen gehätschelt und getätschelt, zu denen sie sehr wenig Bezug haben.

Wo siehst du persönlich die wesentlichen Unterschiede zwischen pflegeheimbewohnenden Tieren und den ausgebildeten Therapietieren? Gibt es irgendwo klare Vor- und Nachteile?

Ich denke, ein Vorteil bei Therapietieren ist, daß sie manchmal ausgebildet sind, gewisse manuelle Therapien mit den Menschen durchzuführen, wie etwa für behinderte oder kranke Kinder die Reit- oder Dephintherapie oder Bewegungstherapie mithilfe von Hunden o.ä.
Wo könnte man im Altenpflegebereich den Einsatz von Tieren am besten nützen, abgesehen von dem Streicheln und kuscheln, das Wärme und Nähe erzeugt, sowie die taktilen Fähigkeiten eventuell fördert.

Ein Problem in größeren Institutionen mag vielleicht die Pflege der Tiere sein - vielfach habe ich schon von Heimen gehört, die sich zum Beispiel ein Aquarium für den Aufenthaltsraum anschaffen - später jedoch stellt sich unter Umständen das Problem, daß sich niemand mehr für die Pflege des Aquariums zuständig fühlt oder die Mitarbeiter, die sich anfangs mit aquaristischem Hintergrundwissen darum gekümmert haben, irgendwann dann nicht mehr im Haus arbeiten.

LG
Irene

Geändert von Irene (12.09.2008 um 12:59 Uhr).
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  #6 (permalink)  
Alt 12.09.2008, 20:08
burzel
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So einfach ist es nicht. Wir sind in der glücklichen Lage, das richtige Umfeld für eine artgerechte Tierhaltung zu haben, eine kleine Pflegeeinrichtung (privates Pflegeheim) sind mit 32 Betten und alle Mitarbeiter im Hause mit Tieren kein Problem haben. Dies ist sicher ein Vorteil gegenüber "Besuchstieren". Es sind ja nicht die Tiere und auch nicht unsere Bewohner immer aufgelegt sich miteinander abzugeben.

Wir haben ja nicht nur ein paar Hunde und Katzen. Bei uns leben auch 3 Esel, 5 Ziegen, 10 Laufenten, 3 Gänse, 4 Löwenkopfkaninchen, 1 Hase aus Tirol. Dadurch sind unsere Bewohner und auch Besucher immer mit Tieren konfrontiert, ob es im Haus ist oder bei einem Spaziergang im Freien. Dies ist sicher ein Vorteil gegenüber Besuchstieren. Bei uns waren auch schon Hasen, Meerschweinchen etc. auf Besuch, aber dies ist für die Tiere sehr stressig. Ungewohnte Umgebung, andere Personen usw.

Aber es gibt ja auch ausgebildete Therapie Tiere, wo es bei ADS Kindern große Erfolge gibt...z.B. Pferde, Delphine usw.

Wenn ein Heimbetreiber es für sinnvoll hält ein Leben mit Tieren möglich zu machen, stellt sich die Frage, ob es möglich ist eine individuelle Tierhaltung zu erlauben oder soll ein Tier für mehrer Heime gekauft werden? Die Entscheidung für eine Möglichkeit hängt auch von der Organisationsstruktur und den baulichen Gegebenheiten ab.

Auf jeden Fall wird eine Tierhaltung in Pflegeeinrichtungen aufgrund der positiven Erfahrungen unter Einhaltung sachgemäßer Hygienemaßnahmen befürwortet unter dem Motto....."..es geht nicht in erster Linie darum, dem Leben Jahre, sondern den Jahren Leben zu geben...".
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tiere in pflegeheimen

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